Wirtschaftlichkeit Viessmann PT2 vs Brennwerttherme

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  • Wirtschaftlichkeit Viessmann PT2 vs Brennwerttherme

    Hallo zusammen,

    ich bin schon seit einigen Wochen dabei, im Forum eine Antwort darauf zu finden, ob sich die Anschaffung einer Viessmann PT2
    für mich rentiert oder ich mir lieber ein neues Gas-Bremmwertgerät anschaffen soll.
    Hintergrund ist der, dass ich definitiv eine neue Heizung benötige. Bisher habe ich eine 25Jahre alte Gasheizung in meinem Einfamilienhaus.
    Es handels sich somit um einen Erhaltungsaufwand.
    Wenn ich vom Angebotspreis die KFW433-Förderung von 9300EUR abziehe, würde mich die PT2 immer noch ca. 22.000EUR kosten.
    Laut meinem Steuerberater und auch aus den Informationen von ASUE "Leitfaden zur Anmeldung und steuerlichen Behandlung
    von kleinen Blockheizkraftwerken" bestünde folgende Möglichkeit:

    Ich würde die Kleingewerberegelung nicht in Anspruch nehmen.
    Neben dem erzeugten und verkauften Strom, sowie den fiktiv zurückgelieferten und selbst verbauchten Strom zahle ich auch für
    die privat genutzte Wärme Umsatzsteuer sowie Einkommenssteuer.
    D.h. ich nutze das Zuordnungswahlrecht und ordne das BHKW insgesamt als eine unternehmerische Tätigkeit ein.
    In diesem Fall müsste ich die Vorsteuer für das gesamte BHKW (Invest ca. 31.000EUR) als Vorsteuerrückerstattung zurückerhalten, oder?
    Das wären dann ca. 4.950EUR.
    Damit würde mein Invest auf ca. 17.000EUR gesenkt.

    Trotzdem rechnet sich das nicht! selbst wenn ich davon ausgehe, dass ich im Jahr ca. 700EUR an Stromkosten sparen würde, wäre mein
    Eigenanteil nach 10 Jahren immer noch 10.000EUR. Und das ist ungefähr der Invest für ein neues Brennwertgerät.
    Eine wirtschaftliche Betrachtung über 10 Jahre hinaus finde ich auf Grund der Lebensdauer einer Brennstoffzelle nicht unbedingt seriös, oder?

    D.h. also, rentieren wird sich eine Viessmann PT2 erst mit dem evtl. Ansatz, die Wahlmöglichkeit zu nutzten und die Investitionssumme als
    Erhaltungsaufwand bei der Einkommenssteuer abzusetzten.
    Seit 2016 ist eine Abschreibung auf 10 Jahre ja nicht mehr möglich und man kann sich bei Ersatz der alten Gasheizung ja nur noch dazwischen
    entscheiden, ob man über das Gebäude mit 50 Jahren abschreibt, oder den Invest als Erhaltungsaufwand absetzt.
    Anlagenpreis - Förderung - Vorsteuer wären ca. 17.000EUR. Bei einem angnommenem durchschnittlichen EK-Steuersatz von 30% wäre das ein
    einmaliger Steuervorteil von ca. 5.100EUR. Erst dieser Ansatz würde das ganze interessant machen.
    Dadurch käme man auf einen realen Anschaffungsbetrag (Anlagenkosten - Förderung - Vorsteuerabzug - Steuerersparnis Erhaltungsaufwand)
    von ca. 12.000EUR. Leicht höher als der eines Brennwertgerätes. Dann würde die Stromkosteneinsparung sich auch bemerkbar machen.

    Kann mir jemand helfen? Sind meine Ausführung richtig?
  • Moin,

    bei Deinem geringen Stromverbrauch ist keine KWK Technologie "rentabel" einsetzbar. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern zb. Elektroauto oder mehr echte Verbraucher kippt das ganze natürlich.

    Grüße
    Pöl BHKW Tiger †
    Pöl BHKW Raptor †
    Ecopower 1.0
    Solarthermie 27m² Heat-Pipe-Röhren
    PV Anlage 1,8kWp Solarmax 2000C 15xKaneka k120
  • Hallo alikante,

    ab welchem Stromverbrauch ist die Technologie dennn rentabel? Laut Viessmann ab 3000kWh/a.
    Momentan verbrauche ich 4100kWh/a.

    Vieleicht ist auch meine Einsparung von 700EUR irreführend. Damit ist der Wert gemeint der übrig bleibt,
    wenn ich von den Einsparungen des erzeugten Stromes wieder die Mehrkosten für den Gasverbrauch und
    den Stromzukauf (bei Verbrauch über die 750W Leistung) der in Spitzenzeiten noch zugekauft werden muss, wieder abziehe.

    Kann mir jemand etwas zu meiner Ursprüngliche Frage zum Thema Steuern (s. Oben) weiterhelfen?
  • Wir dürfen und werden keine Steuerberatung durchführen !

    Fakt ist das KWK kein Steuersparmodell ist, schon gar nicht im selbst genutzen EFH denn dort gibt es defacto keine Ansatzmöglichkeit für irgendwelche Kosten! Der Fiskus wird sich über die Jahre jeden Cent Vorsteuer als Umsatzsteuer zurückholen, in der Regel sogar mehr. Auch mit dem Nebengewerbe als solches kannst Du nicht auf Dauer Verluste einfahren.

    Grüße
    Pöl BHKW Tiger †
    Pöl BHKW Raptor †
    Ecopower 1.0
    Solarthermie 27m² Heat-Pipe-Röhren
    PV Anlage 1,8kWp Solarmax 2000C 15xKaneka k120
  • Man sollte sich im EFH Bereich abgewöhnen, daß sich eine Heizung amortisiert. Das ist bei keiner der Fall.
    Fakt ist: Man schafft einen Mehrwert / Eigentum. Und man reduziert die zukünftigen Verbrauchskosten, wobei klar ist daß Netzstrom und Gas immer teurer werden.
    Also liegt der Hauptvorteil darin, daß man mit seinem Geld mehr an Eigentum geschaffen hat anstatt dafür ne preiswertere Heizung angeschafft und später "nur Strom und Gas gekauft" zu haben.
  • Moin,

    alikante schrieb:

    Wir dürfen und werden keine Steuerberatung durchführen !
    Sehe ich auch so. Aber warnen vor selbstgebastelten "Steuersparmodellen" dürfen wir schon (der Ersthelfer am Unfallort muss ja auch kein Arzt sein).

    alikante schrieb:

    Fakt ist das KWK kein Steuersparmodell ist, schon gar nicht im selbst genutzen EFH
    So isses.

    @KH, Du darfst nicht Umsatzsteuer und Einkommensteuer durcheinanderbringen.

    Bei der Umsatzsteuer ist es zulässig, a) zur Regelversteuerung zu optieren (§ 19 Abs. 2 UStG) und b) Gegenstände dem Unternehmen zuzuordnen, sofern eine mindestens 10% geschäftliche Nutzung vorliegt (§ 15 Abs. 1 UStG). Die 10% sind wegen der fiktiven Hin- und Rücklieferung des eigenverbrauchten Stroms bei einem BHKW fast immer gegeben.

    Wenn Du diese Wahlrechte wahrnimmst, bedeutet das folgendes:
    1. Der Netzbetreiber zahlt Dir auf die gesamte Stromerzeugung (d.h. reale + fiktive Einspeisung) einschl. KWK-Zulage neben dem Rechnungsbetrag auch 19% Umsatzsteuer;
    2. Du musst in der USt-Erklärung bei den steuerpflichtigen Umsätzen neben dem Nettoerlös aus der gesamten Stromerzeugung auch den Wert der Wärme als unentgeltliche Wertabgabe angeben: Bei der PT2 auch auf die Wärme aus dem Zusatzbrenner, da es sich um ein einheitliches Gerät handelt;
    3. Du kannst im Gegenzug sämtliche Vorsteuern umsatzsteuerlich geltend machen. Im ersten Jahr führt das zu einer USt-Rückerstattung, in den Folgejahren musst Du unterm Strich Umsatzsteuern an das Finanzamt abführen.
    4. Nach Ablauf von fünf vollen Kalenderjahren (also 5+X Jahre nach Inbetriebnahme) kannst Du zur Kleinunternehmer-Regelung (KUR) zurückkehren. Ab da fallen Punkt 1-3 weg. Eine USt-Erklärung musst Du danach aber immer noch machen, die ist dann nur viel kürzer.
    5. Auf den Eigenverbrauch (fiktive Rücklieferung) stellt Dir der NB Umsatzsteuer in Rechnung. Diese ist reine Privatsache und hat mit der umsatzsteuerlichen Behandlung des BHKW nichts zu tun, sie taucht auch in keiner USt-Erklärung auf.
    Soweit zur Umsatzsteuer.

    Bei der Einkommensteuer gilt folgendes:
    1. Seit 2016 ist bei BHKW's in Privathäusern nur der Stromanteil einkommensteuerlich relevant. Dies gilt für alle Einkünfte und Kosten. Ein Wahlrecht bezüglich des Wärmeanteils (d.h. Zuordnung des gesamten BHKW's zum Gewerbebetrieb) existiert nur für Betreiber, deren BHKW vor dem 01.01.2016 in Betrieb oder verbindlich bestellt war. Dabei gilt dann aber die gesamte alte Rechtslage weiter, d.h. AfA = 10 Jahre.
    2. Für Details der steuerlichen Behandlung von BHKW's gilt die Verfügung vom 11.01.2016 (siehe Anhang). Ich empfehle hier insbesondere durchzulesen die Abschnitte 4.1 und 4.1.2. Der Knackpunkt hier ist die Frage, welcher Anteil der Investition dem (allein maßgeblichen) Gewerbebetrieb "Stromerzeugung und Stromverkauf" zuzuordnen ist. Bei einem Gerät wie der Viessmann PT2 mit integriertem Zusatzbrenner gibt es zwar feste Stromkennzahlen für die Brennstoffzelle, aber wie viel Wärme der Zusatzbrenner (mit Stromkennzahl Null) beisteuert kann vorab nicht exakt festgelegt werden. Vielleicht erfährst Du ja von Viessmann, wie das Problem zu lösen ist (immerhin haben das ja alle Betreiber einer PT2). In jedem Fall erwarte ich aber, dass der Stromanteil relativ gering ist: Die Brennstoffzelle kann unmöglich mehr als ca. 6.300 kWh/a Strom erzeugen. Angenommen der Wärmebedarf Deines Hauses und damit die Wärmeerzeugung aus Bz + Zusatzbrenner wäre 20.000 kWh/a, so wäre der Stromanteil mit (6.300/26.300=) 24% anzusetzen.
    3. Ich lese Abschnitt 4.1.2. der Verfügung so, dass der Stromanteil der Investition (grob geschätzt also ein Viertel der Gesamtinvestition) im "Renovierungsfall" tatsächlich im Jahr des Abflusses vollständig als Betriebsausgaben angesetzt werden kann. Nur wären das dann bei Dir nicht 17.000 EUR sondern nur 4.000 EUR oder so. Selbst mit einem Grenzsteuersatz einschl. Soli von 44,3% (der Grenzsteuersatz ist maßgeblich, nicht der Durchschnitts-Steuersatz!) kommen dabei kaum mehr als 1.800 EUR raus.
    Sofern die Wirtschaftlichkeit der Brennstoffzelle - über zehn Jahre gerechnet - bei Dir tatsächlich von diesen 1.800 EUR abhängt, würde ich das Projekt an Deiner Stelle lieber bleiben lassen. Ansonsten empfehle ich Dir (zumindest für die korrekte Interpretation der o.g. Verfügung, für die Festlegung des (gewerblichen) Stromanteils und die daraus folgenden Steuererklärungen für das Inbetriebnahmejahr) einen Steuerberater hinzuzuziehen.

    Gruß, Sailor
    Dateien
    Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

    PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

    Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

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