BHKW fuer Reihenmittelhaus

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • BHKW fuer Reihenmittelhaus

      Hallo,
      ich spiele mit dem Gedanken meine vorhandene Oelheizung (Sieger mit Blaubrenner 21kw Lizenzbau von Buderus) durch ein BHKW mit Erdgas zu ersetzen.
      Erdgasanschluss waere kein Problem legen zu lassen, eine Gasleitung liegt 3M von der Hauswand weg bereits im Fußweg. Zu den bisherigen Verbrauchsdaten:

      4 Erwachsene,
      Reihenmittelhaus,
      130m² Wohnflaeche + beheizter Keller,
      Oelverbrauch ~1500L in der Heizsaison fuer Gebaeudeheizung keine Warmwasserbereitung,
      Warmwasserbereitung ueber Buderus Brauchwasserwaermepumpe Logatherm WPT 270 (hat einen Waermetauscher integriert fuer die Heizung via Solarthermie oder anderer Waermeerzeuger) somit koennte das BHKW auch Warmwasser waehrend der Laufzeit mitmachen. - ~ 6kWh/tag ~ 1,44€
      7500kWh Strombezug / a
      Flache Heizkoerper zwar BJ anfang der 1970er, aber kommen auch noch mit 45°C Vorlauftemperatur klar und das Haus wird warm.
      Fassade ist gedaemmt, Dachdaemmung geplant aber bisher nicht umgesetzt.

      Oel soll definitiv raus inkl. der im Haus installierten Oeltanks.
      Und die Waermepumpe darf gerne im Sommer weiterhin fuer Warmwasser sorgen, da ich vermute auch ein BHKW wird genausowenig wie die Oelheizung wirtschaftlich sein? Die Oelheizung hat frueher im Sommerbetrieb bei 2x 160L Wasser auf 70°C bringen pro Sommertag ~5L oel verballert.
      Stellt sich mir die Frage ob sich ein Gas BHKW rechnet, ca 8kw waermeleistung werden bei -14°C Aussen (und +22°C Innen)benoetigt und die Damen des Hauses frieren gerne mal wenn die Temperaturen im Winter unter 24°C fallen ;) Wie finde ich das am besten raus?


      Vielen Dank
      Gruesse
      Chris
    • Kurz und knapp?
      Vergiss es, zu wenig Energiebedarf bei bisher 1.500 Liter Heizöl.
      Wenn du alle Reihenhausbesitzer zu einer Versorgungsgemeinschaft zusammen bekommst, liest sich hier wie mindestens 3 Häuser, könnte es etwas werden.
      Wenn es noch mehr werden, sieht es immer besser aus.

      Wenn du keine Nachbarn überzeugen kannst, nimm dein Geld und bau soviel PV wie geht, selbst Fassade für den Winter bei Süd würde gehen.
      Dazu noch eine Heiztherme und fertig.
      Keine Zuschüsse beantragen, Kleingewerberegelung nutzen, nicht benötigten PV Strom verheizen in der Wärmepumpe, notfalls noch ein Heizstab in einem kleinen Heizungswasserpuffer für die Übergangszeit.
      Wenn du dann immer noch Geld über hast, bau die einen Stromspeicher dazu, frisst kein Geld, bringt aber aktl. auch nix ein.

      Wenn dein Dach eh gedämmt werden soll.
      Dämmung drauf, Regensicheres Unterdach und Dachoberfläche aus PVmodulen bauen,
      freie Stellen zum Schutz des Unterdaches mit Metall eindecken.

      Bernd
      Wer einmal fragt, wirkt für einen Moment dumm, wer es nie tut, bleib es sein Leben lang
    • Moin Chris,

      wenn ich die technischen Daten der Logatherm WPT 270 richtig lese, so hat sie eine thermische Leistung von 1,7 kW und bei einem COP von 2,98 eine elektrische Leistungsaufnahme von 570 Watt. Wenn die WP ca. 6 kWh/Tag verbraucht, bedeutet das eine Laufzeit von gut 10 Stunden und eine Wärmeerzeugung (TWW) von knapp 18 kWh am Tag, was (abzüglich Speicherverluste etc.) für vier Erwachsene hinkommt. Der Gesamtstromverbrauch der WP wäre somit ca. 2.200 kWh/Jahr. Der restliche Strombezug errechnet sich dann mit ca. 5.300 kWh/Jahr bzw. 14,5 kWh/Tag (wahrscheinlich im Winter eher 16, im Sommer 13).

      Der reine Heizwärmebedarf liegt (bei 1500 l Ölverbrauch mit einem alten Heizkessel) wahrscheinlich so um die 11-12.000 kWh/Jahr. Die von Dir genannte Vorlauftemperatur bedeutet voraussichtlich Rücklauftemperaturen, die für eine Brennwertnutzung sehr gut geeignet sind – insbesondere wenn ein hydraulischer Abgleich gemacht wurde (zwingende Voraussetzung für die Förderung eines BHKW).

      Mit diesen und den von Dir genannten Parametern kommt aus meiner Sicht am besten eine Erdgas-betriebene Brennstoffzelle Viessmann Vitovalor 300-P (oder ein vergleichbares Gerät eines anderen Herstellers, falls es das gibt) in Frage. Die Vitovalor hat eine elektrische Leistung von 0,75 kW und eine thermische Leistung von 1 kW, sowie eine eingebaute Spitzenlast-Brennwerttherme, deren Heizleistung mit 18 kW (modulierend) für Dein Anwesen locker ausreicht. Eine Brennstoffzelle soll nach dem Einschalten so lange wie möglich laufen (ideal wären 8.760 Stunden im Jahr). Die Vitovalor kann lt. technischen Daten einmal am Tag eingeschaltet werden und in gewissem Rahmen auch die Leistung modulieren. Wie lang sie dann läuft und mit welcher Leistung, entscheidet der eingebaute "Energiemanager" anhand des Strom- und Wärmebedarfs. Der Wirkungsgrad ist im Sommer nicht anders als im Winter.

      Etwas trickreich ist dabei das Zusammenspiel mit der Wärmepumpe. An sich ist die Warmwasserbereitung bei der Vitovalor integriert, so dass die WP überflüssig wäre. Du würdest dann halt das Warmwasser während der Heizperiode mit Erdgas über die Vitovalor-Brennwerttherme erwärmen, außerhalb der Heizperiode mit Abwärme aus der Bz. Nachdem die WP aber an einen separaten WW-Speicher angeschlossen ist, kann möglicherweise (!) mit Hilfe des (eigentlich für einen Parallelbetrieb mit Solarthermie vorgesehenen) sog. Trinkwarmwasser-Komfort-Sets ein Parallelbetrieb stattfinden.

      Ein Parallelbetrieb Bz/WP ist dann (und nur dann!) wirtschaftlich sinnvoll, wenn die WP mit Strom aus der Brennstoffzelle betrieben wird, der ansonsten nicht genutzt werden kann und daher ins Netz eingespeist werden müsste. Für eingespeisten Strom bekommst Du derzeit ca. 4 ct/kWh. Wenn Du ihn stattdessen in der WP mit COP = 3 nutzen kannst, bezahlst Du für die WP-Wärme nur 1,2 ct/kWh, was billiger ist als Erdgas (ca. 5 ct/kWh). Aber wenn der Bz-Strom stattdessen im Haus verbraucht werden könnte, steigen die Opportunitätskosten der WP-Wärme bis 8-9 ct/kWh. Außerdem kann die WP natürlich nur wirtschaftlich laufen solange die (kostenlose) Abwärme aus der Brennstoffzelle für die Hausheizung verbraucht wird.

      De facto könnte das dann so aussehen, dass Du während der Heizperiode die WP weiter betreibst, und zwar über Zeitschaltuhr o. dgl. nur zu lastschwachen Zeiten (z.B. 22:00h bis 06:00h, vielleicht auch tagsüber 09:00h-15:00h). Außerhalb der Heizperiode sollte die WP abgeschaltet bleiben, weil dann die Abwärme aus der Brennstoffzelle für die WW-Bereitung ausreicht.

      Angenommen diese Betriebsweise wäre möglich, so könnte die Vitovalor in der Heizperiode (angenommen 200 Tage) durchlaufen und in dieser Zeit 3.600 kWh Strom produzieren. Hiervon könnten ca. 1.200 kWh Strom für die WP sowie vielleicht 2.200 kWh Haushaltsstrom selbst genutzt werden. Für die Hausheizung müssten neben den 4.800 kWh Abwärme aus der Bz weitere ca. 7000 kWh Wärme vom Zusatzbrenner erzeugt werden.

      Außerhalb der Heizperiode (165 Tage) würde die Bz ca. 18h/Tag laufen (evtl. auch 24h mit reduzierter Leistung, das entscheidet der eingebaute Energiemanager) und ca. 2.200 kWh Strom erzeugen. Ich könnte mir vorstellen, dass hiervon ca. 1.800 kWh im Haus verbraucht werden können. Die WP bleibt aus, weil die 18 kWh Abwärme für das WW ausreichen.

      Insgesamt kannst Du dann grob geschätzt mit ca. 23.000 kWh Erdgasverbrauch rechnen, aus denen ca. 15.000 kWh Wärme (12.000 kWh Heizung im Winter + 3.000 kWh TWW im Sommer) und ca. 5.800 kWh Strom erzeugt werden. Der Stromverbrauch einschl. Wärmepumpe würde von 7.500 kWh auf ca. 6.500 kWh zurückgehen. Von den 5.800 kWh Bz-Strom könntest Du vielleicht 5.200 kWh nutzen und müsstest noch ca. 1.300 kWh Strom zukaufen. Etwa 600 kWh Strom aus der Brennstoffzelle würden ins Netz eingespeist.

      Soweit die Theorie. Aber um das v.a. hydraulisch funktionssicher hinzukriegen, brauchst Du einen Heizungsbauer, der sich mit der Vitovalor richtig gut auskennt. Du solltest also z.B. auf der Viessmann-Website bzw. mit Hilfe von Viessmann nach einem HB in Deiner Nähe suchen, der wirklich Erfahrung mit der Vitovalor hat. Der soll sich das mal bei Dir ansehen (einschl. der Sache mit der Wärmepumpe) und Dir ein Angebot geben. Dann kannst Du auf Basis dieses Angebotes (einschl. staatlicher Förderung) und geschätzter Daten zu Erzeugung und Verbrauch rechnen, ob sich das für Dich lohnt.

      Gruß, Sailor

      Nota bene: Die Gedanken zum Betrieb der Wärmepumpe gelten nur, wenn die WP mit Außenluft betrieben wird. Falls sie die Luft aus dem Keller zieht, so hat sie bislang vermutlich von der Abwärme Deines alten Heizkessels "gelebt". Die gibt es aber bei einem modernen BHKW (oder auch bei einer modernen Gastherme) kaum noch: Unser Heizkeller hat z.B. im Winter nur 16°C (und das auch nur wegen der Abwärme unseres Solarthermie-Speichers). Und das bedeutet, dass die von der WP verarbeitete Wärme stattdessen dem zuvor mit Erdgas beheizten Haus entzogen würde. Falls Du die WP dann nicht benutzen möchtest um Deinen Weinkeller zu kühlen, solltest Du die Vitovalor so installieren wie sie kommt und die WP verkaufen oder verschrotten.
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von sailor773 () aus folgendem Grund: noch was eingefallen