Eigenverbrauch von Strom 1 Phasig oder 3 Phasig welcher Unterschied?

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    • Eigenverbrauch von Strom 1 Phasig oder 3 Phasig welcher Unterschied?

      Hallo Zusammen,

      ich benötige mal etwas Nachhilfe in Sachen Elektrik.

      Bisher betreiben wir seit Januar 2007 einen Dachs in einem Sechsfamilienhaus. Der Dachs liefert 3Phasig 400 Volt. Angenommen wir würden den Dachs durch ein Brötje Stirling ersetzen, dieses liefert nur 230 Volt einphasig. Bedeutet dass, dass wir einphasig nicht mehr alle sechs Mietparteien gleichzeitig mit Strom versorgen können, z. B. jede Wohnung zieht 150 Watt für Licht und Internet. funktioniert das mit 230 Volt einphasig?

      Hintergrund ist, dass unser Dachs jährlich nur rund 3800 bis 4000 Stunden läuft und ein großer Teil eingespeist wird (Eigenverbrauch rund 12.000 kw/h davon rund 5000 durch den Dachs abgedeckt. Ich denke, dass der Stirling mehr Stunden läuft und der Eigenverbrauch dann vielleicht so gar über 5000 kw/h steigt.

      Bin für jeden Hinweis dankbar.

      Viele Grüße

      Bernigo
    • Wenn der Dachs etwa 4.000 Stunden gelaufen ist, ist der Stirling viel zu klein....
      Besser wäre ein Gerät mit 2,6 oder 4 kW elektrisch.

      Kurios: Wir haben gerade in Troisdorf ein 5 kW-Gerät installiert, geht Montag in Betrieb. Wenn Interesse besteht, kannst Du die Anlage gerne besichtigen.
      Thomas Deus
      -Geschäftsführer-

      Fa. GO BHKW GmbH
      Trinenkamp 50, 45889 Gelsenkirchen
      www.go-bhkw.de
    • Bernigo schrieb:

      Bedeutet dass, dass wir einphasig nicht mehr alle sechs Mietparteien gleichzeitig mit Strom versorgen können, z. B. jede Wohnung zieht 150 Watt für Licht und Internet. funktioniert das mit 230 Volt einphasig?
      Ja, das funktioniert weil die Verteilnetzbetreiber verpflichtet sind phasensaldierend abzurechnen.

      D.h. wenn ihr auf 3 Phasen jeweils 300W (3x300=900W) benötigt und mit dem Stirling auf 1 Phase 1kW erzeugt dann werden 100W Einspeisung gezählt.


      mfg JAU
    • Moin,

      Bernigo schrieb:

      Ich denke, dass der Stirling mehr Stunden läuft und der Eigenverbrauch dann vielleicht so gar über 5000 kw/h steigt.
      Mehr Stunden würde ein (für dieses Objekt stark unterdimensionierter) Stirling schon laufen, aber der Eigenverbrauchs-Gewinn hält sich meiner Meinung nach in engen Grenzen.

      Anzustreben ist in jedem Fall, dass das BHKW (insbesondere der Dachs) hauptsächlich zu den Zeiten laufen sollte, wo hoher Strombedarf besteht: Dafür ist ein Wärme-Tagesspeicher und ein halbwegs intelligentes Regelverhalten erforderlich. In einem Sechsfamilienhaus mit einem Tagesverbrauch von 30-35 kWh dürfte die Grundlast (nachts sowie werktags am späten Vor- und frühen Nachmittag) bei vielleicht 0,5 kW liegen, während morgens und vor allem abends (etwa 18:00h bis 22:00h, wenn alle gleichzeitig Abendessen kochen, der Fernseher läuft und überall das Licht an ist) mehrstündige Lastspitzen von 3 kW und höher auftreten können. Der Dachs mit 5,5 kW(el) steckt das locker weg, der Stirling wäre dagegen mit 1 kW(el) hoffnungslos überfordert. Übers Jahr sieht das dann wie folgt aus:
      • In den drei Sommermonaten ohne Heizbedarf müsste es in einem Sechsfamilienhaus möglich sein, den Dachs täglich während der Spitzenlast-Zeiten vielleicht zwei Stunden mit 12,5 kW (th) für den Warmwasserbedarf laufen zu lassen: Das wären dann ca. 5 kWh/Tag möglicher Eigenverbrauch (EV), vielleicht auch mehr. Der Stirling würde mit 5 kW (th) zwar fünf Stunden laufen, aber eben nur mit 1 kW(el). Selbst wenn der gesamte Stirlingstrom in den EV geht, kommen halt auch nur 5 kWh/Tag EV heraus. Der Stirling bringt also im Sommer keinen Vorteil.
      • In den drei Wintermonaten sollte selbst der Dachs mit 12,5 kW(th) ca. 20 Stunden pro Tag laufen und nur nachts ein paar Stunden stehen. Damit kann er wahrscheinlich über 90% des Strombedarfs im Anwesen decken. Der Stirling läuft natürlich durch (wobei mehr als 23,6 h/Tag nach unserer Erfahrung auch bei extremer Kälte nicht erreicht werden). Die zusätzlichen Laufstunden finden aber nachts statt, wo nur Grundlast nachgefragt wird. Das bringt vielleicht zusätzliche 1-2 kWh EV pro Tag, aber im Gegenzug verliert man mindestens 6-8 kWh EV pro Tag, weil der Stirling während der Spitzenlastzeit den Bedarf nicht decken kann. Unterm Strich würde ich erwarten, dass der EV im Winter mit einem Stirling um 4-500 kWh niedriger ausfällt als mit dem Dachs.
      • Die sechs Übergangs-Monate sind eigentlich nur vier, weil die Temperaturen im Mai bzw. September häufig "sommerlich" und im März und November häufig "winterlich" sind. Unter beiden Verhältnissen bringt der Stirling keinen Vorteil bzw. sogar einen Nachteil. Messbare EV-Vorteile durch eine längere Laufzeit beim Stirling erwarte ich nur von Mitte März bis Mitte Mai und Mitte September bis Mitte November: In dieser Zeit dürften grob geschätzt 1000 Dachs-Laufstunden (8h/Tag) anfallen, aus denen man optimistisch 2.500 Stirling-Laufstunden (20h/Tag) machen könnte. Es ist denkbar, dass man auf diese Weise mit dem Dachs vielleicht 10 kWh/Tag EV erreicht und mit dem Stirling auf 15 kWh/Tag oder mehr kommen kann.
      Über alle Jahreszeiten durchgerechnet könnte der Stirling vielleicht 6000 Laufstunden erreichen, statt 4000 beim Dachs (+50%). Aber der Eigenverbrauch kann sich dadurch meiner Meinung nach unterm Strich um kaum mehr als 3-500 kWh erhöhen. Dafür wirft man keinen funktionierenden Dachs weg. Wenn er aber mal wirklich kaputt sein sollte, ist wahrscheinlich ein BHKW im Bereich 2-4 kW (el) - wie die von @hansdampf angebotenen - die bessere Alternative.

      Gruß, Sailor
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)
    • Spatz24 schrieb:

      Du solltest lieber über einen Stromspeicher nachdenken, um den Eigenverbrauch in dem Haus zu erhöhen!
      "Nachdenken" kann nie schaden. Dabei dürfte in nahezu allen Fällen herauskommen, dass ein Stromspeicher sich zu aktuellen Preisen nicht rechnet, d.h. unter Berücksichtigung aller Kosten einschl. Batterie-AfA, Speicherverlusten und entgangener Einspeisevergütung ist der Strom aus dem Speicher fast immer teurer als der Zukauf vom Stromversorger.

      Für eine Privatperson, die Strom-Autarkie als Hobby betreibt, ist das vielleicht belanglos - meine Modelleisenbahn "rechnet" sich schließlich auch nicht. Aber wenn man den teuer gespeicherten Strom in einem Mehrfamilienhaus z.B. an Mieter verkaufen will (wo dann auch noch EEG-Umlage dazu kommt), sollte man schon sehr genau über die Folgen nachdenken, bevor man sich einen Stromspeicher zulegt.
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

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    • Erst mal Danke für die nützlichen Denkanstöße! Mit der Batterie habe ich auch schon überlegt, aber das ist eindeutig noch zu teuer. Wartens wir es ab, die Preise fallen sicherlich noch.

      Also werde ich weiter erst mal "auf Sicht" fahren und abwarten bis der Dachs einen wirtschaftlichen Totalschaden erleidet. Bis jetzt hat rund 40.000 Stunden gelaufen und außer einer Zündbox und Wartung ist nichts angefallen.

      Viele Grüße

      Bernigo