Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz: Entwurf VDE-AR-N 4105:2017-07

    • Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz: Entwurf VDE-AR-N 4105:2017-07

      Hallo,

      Der Entwurf der neuen Anwendungsregel für Erzeugungsanlagen am NS-Netz (VDE-AR-N 4105) wurde vom FNN zur Kommentierung freigegeben. Bis zum 23. August (Mi) kann man Feedback geben, entweder per Stellungnahme-Formular oder Online in der Entwurfsbibliothek.


      Gruß,
      Gunnar
      Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)
    • E VDE-AR-N 4105 schrieb:

      1 Anwendungsbereich

      Die VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 „Technische Anschlussregeln Niederspannung“ fasst die technischen Anforderungen zusammen, die bei der Planung, bei der Errichtung, beim Anschluss und beim Betrieb von allen Kundenanlagen – also von Bezugsanlagen, Erzeugungsanlagen und Speichern – an das Niederspannungsnetz des Netzbetreibers zu beachten sind. In der VDE-AR-N 4100 sind auch die zulässigen Grenzwerte für Netzrückwirkungen sowie grundlegende Anforderungen an Notstromaggregate beschrieben, die über den zur Synchronisierung zugelassenen Kurzzeitparallelbetrieb von ≤ 100 ms parallel mit dem öffentlichen Netz betrieben werden. Da diese Notstromaggregate in diesem Fall die Anforderungen für Erzeugungsanlagen erfüllen müssen, werden sie im Weiteren nur dann noch explizit benannt, wenn spezielle Anforderungen nur an diese Notstromaggregate bestehen.

      Die technischen Anforderungen für Erzeugungsanlagen und Speicher, die über die VDE-AR-N 4100 hinausgehen, sind in dieser VDE-Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ zusammengefasst. Sie ist für Erzeugungsanlagen und Speicher anzuwenden, die neu an das Niederspannungsnetz angeschlossen werden, sowie bei einer Erweiterung oder Änderung. Für den bestehenden, unveränderten Teil der elektrischen Anlage gibt es seitens dieser VDE-Anwendungsregel keine Anpassungspflicht, sofern eine sichere und störungsfreie Stromversorgung gewährleistet ist. Dies gilt für alle Erzeugungsanlagen und Speicher, die parallel mit dem Niederspannungsnetz des Netzbetreibers betrieben werden, auch für solche, die nicht in das Niederspannungsnetz des Netzbetreibers einspeisen.

      Erzeugungseinheiten, die eine Erzeugungsanlage mit einem SAmax < 150 kVA bilden, sind – unabhängig von der Spannungsebene, an die die Erzeugungsanlage angeschlossen wird – nach dieser VDE-Anwendungsregel auszuführen und zu zertifizieren. Für Speicher gilt sinngemäß das gleiche.

      Bei Erzeugungseinheiten eines Primärenergieträgers mit einer Summenscheinleistung von Sum (SEmax) < 30 kVA ist auch bei SAmax ≥ 150 kVA der gesamten Erzeugungsanlage für diese Erzeugungseinheiten diese VDE-Anwendungsregel anzuwenden. Ansonsten sind für alle Erzeugungseinheiten, die eine Erzeugungsanlage mit einem SAmax < 150 kVA bilden, Einheitenzertifikate nach Abschnitt 9 dieser VDE-Anwendungsregel zu erstellen, für alle Erzeugungseinheiten, die eine Erzeugungsanlage mit einem SAmax ≥ 150 kVA bilden, Einheitenzertifikate nach 11.2 der VDE-AR-N 4110. Für Speicher gilt sinngemäß das gleiche.

      Beispiel:In einer Kundenanlage mit einer Photovoltaik-Anlage von SAmax = 200 kVA werden zwei Klein-BHKW mit Asynchrongenerator und einer Scheinleistung von jeweils SEmax = 6 kVA installiert. Die Summenscheinleistungen der Erzeugungsanlage liegt, da alle Erzeuger zum Typ 2 gehören, bei Sum SAmax = 212 kVA. Die beiden Klein-BHKW werden aber mit einem anderen Primärenergieträger (z. B. Erdgas) als die Photovoltaikanlage (solare Strahlung) betrieben und liegen mit einer Summenscheinleistung von Sum SEmax = 12 kVA unter dem Grenzwert von 30 kVA. Für die beiden Klein-BHKW ist daher diese VDE-Anwendungsregel anzuwenden.
      Für Erzeugungsanlagen und Speicher sind ab einer Scheinleistung von jeweils SAmax ≥ 150 kVA die Anforderungen folgender Abschnitte der VDE-AR-N 4110 „Technische Anschlussregeln Mittelspannung“ einzuhalten:

      Abschnitte 10.2.2.2 und 10.2.2.3 Blindleistungsbereitstellung bei bzw. unterhalb von Pb inst;

      Abschnitte 10.2.3.2 und 10.2.3.3 Dynamische Netzstützung für Typ 1- und Typ 2-Anlagen sowie Abschnitt 10.2.3.4 Verhalten nach Fehlerende bis zum Erreichen des stationären Betriebes für Typ 1- und Typ 2-Anlagen;

      Abschnitt 10.5.2 Trennen der Erzeugungseinheiten vom Netz bei Instabilität;

      Abschnitt 11.2 Nachweis der elektrischen Eigenschaften für die Abschnitte 10.2.2.2, 10.2.2.3, 10.2.3.2, 10.2.3.3, 10.2.3.4 und 10.5.1.

      Für alle anderen Anforderungen gilt auch bei Erzeugungsanlagen und Speichern mit jeweils SAmax ≥ 150 kVA diese VDE-Anwendungsregel.
      Erzeugungsanlagen sind zum Beispiel:

      Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen),

      Generatoren, die von Wärmekraftmaschinen angetrieben werden, z. B. in Blockheizkraftwerken (BHKW),

      Wasserkraftanlagen,

      Kleinwindenergieanlagen,

      Brennstoffzellenanlagen.

      Für aufkommende Technologien gelten die Übergangsbestimmungen nach Titel VI der Verordnung (EU) 2016/631 der Kommission vom 14. April 2016 zur Festlegung eines Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger.
      Der Anwendungsbereich (engl. Scope) ist aus meiner Sicht grottenschlecht, ohne auf die technischen Details der Folgekapitel einzugehen. Im Anwendungsbereich wird kurz knapp beschrieben, was der Normungsgegenstand ist und welche Dinge ausgeklammert werden.

      Dies hier ist der Scope der 4105: da sollte beschrieben werden, für welche Erzeugungsanlagen (incl. Speicher) diese technische Regel gilt und für welche nicht. Der Anwendungsbereich der 4100 gehört hier nicht rein, sondern der wird in Kapitel 1 der 4100 beschrieben. In der 4105 steht bereits als Anforderung unter Kapitel 4.1 drin, dass die allgemeinen Anforderungen an Kundenanlagen gemäß 4100 schon so gelten.

      Gruß,
      Gunnar
      Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)