Erste Inhalte des Referentenentwurfs zum KWK-Gesetz 2016

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Erste Inhalte des Referentenentwurfs zum KWK-Gesetz 2016

      Hallo zusammen,

      auf dem BHKW-Infozentrum haben wir heute eine erste Übersicht des Referentenentwurfs vom 7. Juli 2015 für das neue KWK-Gesetz 2016 veröffentlicht.
      Unter dem Bericht "Neues KWK-Gesetz nimmt Gestalt an " werden die meisten Neuerungen erläutert.

      Hinsichtlich der Mini-KWK kann man festhalten:
      - Mini-KWK bis 50 kW erhalten 45.000 Vollbenutzungsstunden eine Förderung
      - für den ins das Netz der allgemeinen Versorgung (auch "öffentliches Netz" genannt) eingespeisten Strom (Überschussstrom) erhält der Mini-KWK-Anlagenbetreiber einen KWK-Zuschlag in Höhe von 8 Cent/kWh
      - für den nicht in das Netz der allgemeinen Versorgung eingespeisten KWK-Strom erhält der Mini-KWK-Anlagenbetreiber eine KWK-Zuschlagszahlung in Höhe von 4 Cent/kWh
      - KWK-Anlagen über 50 kW erhalten keinen KWK-Zuschlag für den KWK-Strom, der z. B. selbst genutzt wird.
      - Mini-KWK-Anlagen können zukünftig nicht mehr modernisiert werden
      - Brennstoffzellen verlieren ihre Privilegien
      - ab 100 kW besteht von Anfang an ein Direktvermarktungs-Gebot
      - Inkrafttreten des KWK-Gesetzes ist für den 1.1.2016 geplant

      Ein ggf. noch leicht modifizierter Referentenentwurf wird seitens BMWi zeitnah veröffentlicht, anschließend beginnt die Diskussion samt Verbändeanhörung und dann geht es in den Bundestag...
      Viele Grüße,

      Markus

      Markus Gailfuß
      BHKW-Infozentrum - Informationen über BHKW
      BHKW-Consult
    • Solange nicht auch die steuerliche und umlagerechtliche Regelungen für Mini-KWK stark vereinfacht werden, wird die gewünschte Wirkung (Ausbau der KWK) in diesem Bereich größtenteils verpuffen.

      Insbesondere wäre das:
      - Befreiung von der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch
      - Rückerstattung der MWSt. durch einfachen Antrag und grundsätzlicher Befreiung von Umsatzerlöse incl. Eigenverbrauchs von der Umsatzsteuer wie bei der Kleinunternehmerregelung.
      - Keine Anrechnung von Eigenverbrauch als Privatentnahme.

      Das alles sollte unter dem Aspekt der Entbürokratisierung gesehen werden. Dem Staat würden dadurch kaum oder gar keine Steuereinnahmen entgehen. Man könnte die Regelungen auf selbstgenutzte Mini-KWK und KWK in reine Wohnhäuser beschränken.
      Rechnen hilft. Bleistift, Stück Papier und ein Taschenrechner und man wird sich über einige Ergebnisse wundern. ?(
      perdok.info/
      Oscar Perdok GmbH
      Gildeweg 14, 46562 Voerde
      Beratung, Planung und Installation von
      - KWK-Anlagen
      - PV-Anlagen
      - Stromspeicher mit Notstromfunktion
      - Eigene Herstellung von Ladestationen für E-Mobile
      Beratung Energie-Effizienz incl. Kosten/Nutzen-Betrachtung
      Ladestation für E-Mobile (kostenlos)
    • Wir installieren derzeit 2x 20 kW in einem großen Dortmunder Hotel.... Die Anlage wird 240.000 kWh pro Jahr produzieren bei 100% EV.

      Vergleicht man 2015 und die ab 2016 geltende Regelung, so verdienen die beiden Maschinen mit der neuen Regelung in 10 Jahren 54.000 Euro WENIGER!

      Wie so die KWK nach vorne gefahren werden soll, erscheint rätselhaft
      Thomas Deus
      -Geschäftsführer-
      Fa. GO BHKW GmbH
      Trinenkamp 50, 45889 Gelsenkirchen
      www.go-bhkw.de
    • Hallo,

      54.000 Euro weniger sind viel Geld. Aber ich glaube nicht, dass man sich darüber beschweren sollte.
      Allein der KWK Bonus (nach der neuen Regelung) innerhalb des Förderzeitraums liegt durch 100% Eigenverbrauch bei 72.000 €.
      Dazu bekommt man 10 Jahre die Energiesteuer in Höhe von ca. 44.880 €. Das sind allein schon 116.880 €.
      Nun Kostet so eine KWK-Anlage mit 20 kW 30.000 € bis 40.000 € zzgl. Puffer , Steuerung und Einbau.

      Mal abgesehen davon, dass der Staat zusätzlich zu den oben genannten Summen auch noch auf die Stromsteuer aus der Anlage verzichtet (nochmals 49.200 € in 10 Jahren) halte ich die Förderung für in Ordnung.

      Als jmd. der sich beruflich damit beschäftigt, würde ich mich freuen, wenn die Förderung steigt. Aber als Steuerzahler und Stromkunde kann ich mich nicht über die neuen Fördersätze beschweren.

      Viel sinnvoller ist es, wie auch hier im Forum schon beschrieben eine neue Anlagenklasse mit < 10 kW einzuführen. Diese sind nach den neuen KWK G gefährdet.

      Ob sich die Anlage in dem beschriebenen Hotel jetzt nur noch nach 4 Jahren rechnet und nicht mehr nach 3 Jahren, halte ich hingegen nicht für entscheidend um die Kraft-Wärme-Kopplung nach vorne zu bringen.
    • kurz nachgehakt:
      - Mini-KWK schließt dies auch kleinere also z.b. < 20kW ein oder gibt es noch eine kleinere Stufe auf die sich die 8 cent/kWh nicht beziehen?
      - gilt das Ganze auch für Bestandsanlagen?
    • Zitieren klappt mal wieder nicht, deshalb so:

      <<Allein der KWK Bonus (nach der neuen Regelung) innerhalb des Förderzeitraums liegt durch 100% Eigenverbrauch bei 72.000 €.
      Dazu bekommt man 10 Jahre die Energiesteuer in Höhe von ca. 44.880 €. Das sind allein schon 116.880 €.
      Nun Kostet so eine KWK-Anlage mit 20 kW 30.000 € bis 40.000 € zzgl. Puffer , Steuerung und Einbau.

      Es sind zwei Anlagen und der absolute Löwenanteil der Profitabilität ist ja wohl bitte der vermiedene Zukauf von 240.000 kWh p. a..... Solche Anlagen sind, egal ob als Kaskade oder als einzelnes BHKW mit 20 kW elektrisch auch nach der Reform noch immer Gelddruckmaschinen, wenn man sie in geeignete Objekte stellt

      Schlimmer ist die Tatsache, dass das ganze Thema durch die Änderungen noch intransparenter wird und für den Kunden noch schwerer verständlich...

      Das Leben war vor einem Jahr wunderbar, das bekam der Kunde 5,41 Cent....

      Dann kam die EEG-Abgabe auf den EV, hat einige schon verwirrt.....

      Und nu wird ob top noch unterschieden, ob EV oder Einspeisung beim KWKG-Bonus.... bürokratisches Meisterstück

      <<- Mini-KWK schließt dies auch kleinere also z.b. < 20kW ein oder gibt es noch eine kleinere Stufe auf die sich die 8 cent/kWh nicht beziehen?
      - gilt das Ganze auch für Bestandsanlagen?

      Meines Wissens nach bezieht sich diese Regelung auf alle KWK-Anlagen, auf auf den Dachs mit 5,5 kW und den 1.0er von Vaillant, was dann eben bedeutet, dass diese Produkte mausetot sind.... je kleiner das BHKW ist, desto mehr braucht man echt jeden Euro, damit sich die Kiste rechnet...

      Für Bestandsanlagen gilt die Regelung meines Wissens nach nicht.... dies würde eine Klagewelle sondergleichens auslösen....
      Thomas Deus
      -Geschäftsführer-
      Fa. GO BHKW GmbH
      Trinenkamp 50, 45889 Gelsenkirchen
      www.go-bhkw.de
    • Hallo SteffK,

      das hier

      Steffk schrieb:

      Hallo,

      54.000 Euro weniger sind viel Geld. Aber ich glaube nicht, dass man sich darüber beschweren sollte.
      Allein der KWK Bonus (nach der neuen Regelung) innerhalb des Förderzeitraums liegt durch 100% Eigenverbrauch bei 72.000 €.
      Dazu bekommt man 10 Jahre die Energiesteuer in Höhe von ca. 44.880 €. Das sind allein schon 116.880 €.
      Nun Kostet so eine KWK-Anlage mit 20 kW 30.000 € bis 40.000 € zzgl. Puffer , Steuerung und Einbau.

      Mal abgesehen davon, dass der Staat zusätzlich zu den oben genannten Summen auch noch auf die Stromsteuer aus der Anlage verzichtet (nochmals 49.200 € in 10 Jahren) halte ich die Förderung für in Ordnung.

      Als jmd. der sich beruflich damit beschäftigt, würde ich mich freuen, wenn die Förderung steigt. Aber als Steuerzahler und Stromkunde kann ich mich nicht über die neuen Fördersätze beschweren.

      Viel sinnvoller ist es, wie auch hier im Forum schon beschrieben eine neue Anlagenklasse mit < 10 kW einzuführen. Diese sind nach den neuen KWK G gefährdet.

      Ob sich die Anlage in dem beschriebenen Hotel jetzt nur noch nach 4 Jahren rechnet und nicht mehr nach 3 Jahren, halte ich hingegen nicht für entscheidend um die Kraft-Wärme-Kopplung nach vorne zu bringen.


      kann ich so nicht im Raum stehen lassen.
      ...sieht ja extrem nach Überförderung aus

      Fangen wir mal an

      KWK-Zulage
      ....ja, da kam auch für den Eigenbedarf durchaus was rum
      Aber nicht vergessen, auch bei PV und co gab'S das mal....und hat dort (mit deutlich höheren Summen) auch den Durchbruch zur Marktreife geschafft.
      Bei KWK war's nicht so üppig und so ist leider immer noch kein echter Durchbruch in Stückzahlen mit erhoffter Kostendegression erfolgt.

      Energiesteuererstattung
      auch die gibt's....das ist ja auch gut so,
      denn auch andere Stromerzeuger (nehmen wir mal die Kraftwerke) oder energieintensive zahlen keine.
      Warum sollte man DAS als Förderung betrachten?
      ...verhindert nur, dass hier keine Diskriminierung zu anderen entsteht.

      Stromsteuer
      Tja für den Eigenverbrauch zahlt auch niemand anderes Stromsteuer
      ... und meinetwegen die Stadtwerke nutzen auch bewusst Anlagen bis 2MW um den Strom "in räumlicher Nähe" OHNE Stromsteuer an den Mann bringen zu können.
      Ich denke, da ist es nur fair, dass die viel kleineren Anlagen im heimischen Keller auch keine Zahlen müssen.
      ....naja, ganz korrekt ist es nicht,
      denn auf dem eingespeisten wird ja irgendwann doch die Stromsteuer draufgeschlagen,
      da klein-Erzeuger halt nicht wie Stadtwerk die kwh bilanzieren kann um daraus den geldwerten Vorteil zu schlagen


      => Damit relativieren sich die Subventionsunterstellungen doch deutlich

      und ja,
      die Politik ist bei den ganzen Kram einfach nur halbherzig.
      Sie sagen sie wollen mehr KWK und machen tun sie nichts mit Durchschlagskraft.
      ... wirklich wollen, tun sie es eben nicht
      ... haben Angst vor einer Kostenblase wie im EEG (wobei die <50kW mit rund 60mio p.a. nur ein Bruchteil ausmacht)
      ... setzen auf die falschen Pferde (Quintessenz des Verfasser's der Agora-Studie: "nur die Großen Stadtwerke könnens wuppen"....ich lach mich kaputt, wo das Startup wo ich arbeite in 5 Jahren mehr KWK-Anlagen installiert hat, als die GASAG als größter kommunaler Versorger Europas)
      ... missbrauchen nun das KWK als Bestandsschutz-prämie für die Stadtwerke

      So wird das alles nix mit nem Durchbruch
      ...aber die Nischen werden sicherlich weiterhin besetzt, wobei die Kleinen so keine Chance haben
    • Ich finde die Argumentation von SteffK auch ein wenig einseitig....

      Niemand berechnet die von der Allgemeinheit zu tragenden horrenden Kosten des Atomausstiegs, niemand die Folgen des durch die Dreckschleudern verursachten Klimawandels...

      Die Energiewende ist nicht für Nüsse zu haben... wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass....
      Thomas Deus
      -Geschäftsführer-
      Fa. GO BHKW GmbH
      Trinenkamp 50, 45889 Gelsenkirchen
      www.go-bhkw.de
    • Steffk schrieb:

      Als jmd. der sich beruflich damit beschäftigt, würde ich mich freuen, wenn die Förderung steigt. Aber als Steuerzahler und Stromkunde kann ich mich nicht über die neuen Fördersätze beschweren.

      Viel sinnvoller ist es, wie auch hier im Forum schon beschrieben eine neue Anlagenklasse mit < 10 kW einzuführen. Diese sind nach den neuen KWK G gefährdet.
      Ich glaube, kleine Anlagen <10 kWel werden nicht durch das neue KWK G gefährdet, sondern durch zu hohe Wartungskosten. Wenn man mit 10-15 ct netto (Voll-)Wartungskosten pro erzeugter kWh(el) rechnen muss, dann ist es doch schon fast egal, ob die KWK-Zulage um einen Cent fällt oder steigt. Davon abgesehen scheint mir, dass gerade kleine Anlagen durch das neue Gesetz sogar (etwas) besser gefördert werden als jetzt:

      1) Die Förderung soll offenbar nicht mehr für zehn Jahre, sondern für 45.000 Laufstunden gelten. Das ist ein Fortschritt, denn die bisherige Regelung bevorzugt Anlagen, die unter besonders günstigen Umständen arbeiten (d.h. lange Jahreslaufzeiten erzielen wie z.B. in dem erwähnten Hotel). Damit werden heute gerade die Anlagen am höchsten gefördert, die das am wenigsten brauchen. Mehr BHKW's werden aber nur gebaut (und das ist ja das Ziel), wenn die Förderung möglichst viele grenzwertige Anlagen über die Wirtschaftlichkeitsschwelle hebt. Sieht man sich die Beiträge im Forum so an, dann sind gerade für kleine Anlagen Laufzeiten unter 4.500h/a (ab da verbessert sich die Förderung) doch eher die Regel als die Ausnahme.

      2) Die Förderung soll für eingespeisten Strom höher werden als für selbst verbrauchten. Das ist ebenfalls ein Fortschritt: Zum Einen werden so volkswirtschaftlich unsinnige Verfahren wie das "Verbrennen" von überschüssigem BHKW-Strom in Heizstäben weniger attraktiv. Die Opportunitätskosten für selbst verbrauchten BHKW-Strom liegen heute - angesichts der niedrigen Marktpreise - maximal bei ca. 5 ct/kWh (brutto). Das entspricht ungefähr dem Gaspreis. Zukünftig sind es ca. 10 ct/kWh brutto, weil die Differenz der KWK-Zulagen von 4 ct netto dazu kommt. Da speist man dann doch lieber ein.

      Zum Anderen soll man also durch die neue Regelung 1,41 ct/kWh netto weniger für den selbst verbrauchten Strom bekommen als jetzt, aber dafür 2,59 ct/kWh mehr für den eingespeisten. Das bedeutet: Unterhalb einer Selbstverbrauchsquote von ca. 65% ist die Förderung zukünftig sogar höher als heute. BHKW's, die unter optimalen Bedingungen (100% Eigenverbrauch wie in dem genannten Hotel) eingesetzt werden, erhalten demnach zukünftig etwas weniger Förderung, während "Grenzanlagen" auch hier eine bessere Förderung bekommen. Ich jedenfalls halte diesen Trend im Hinblick auf das strategische Ziel (mehr BHKW's und dadurch mehr KWK-Strom im Netz) für konstruktiv. Wenn einmal durch steigende Stückzahlen BHKW's billiger geworden sind, sollte man m.E. die KWK-Zulage für selbstverbrauchten Strom ganz abschaffen - so wie das seit 2012 bei PV-Anlagen der Fall ist. (Dass umgekehrt natürlich auch die EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch wieder abgeschafft gehört, versteht sich von selbst. Aber das betrifft gerade kleine Anlagen meist nicht.)

      darwin-c schrieb:

      Keine Verknüpfung mit dem EEG ? Unverständlich.

      Man arbeitet parallel auf 3 verschiedenen Baustellen. Dem KWK, dem EEG und den Kaltreservekraftwerken - defakto jeder für sich und ohne die Nutzung von Synergien.
      Das ist leider wahr. Nötig wäre eine Strategie mit klaren, aufeinander abgestimmten Ausbauzielen für KWK und die verschiedenen EE's, und eine Förderung, die ausreicht um diese Ziele zu erreichen.

      Die sogenannten Kaltreservekraftwerke - soweit es sich dabei um Braunkohle handelt - haben allerdings mit der Energiewende, oder der angemahnten Strategie dafür, überhaupt nichts zu tun. Braunkohle ist als Reserve für Dunkelflauten unter allen nicht-nuklearen Kraftwerkstypen am wenigsten geeignet: Bis diese uralten Kisten angeheizt sind, ist die Dunkelflaute in aller Regel wieder vorbei. Da geht es lediglich darum, einige Tausend ansonsten überflüssige Arbeitsplätze - hauptsächlich in NRW - auf Kosten der Stromverbraucher zu erhalten. Dass bei der Gelegenheit auch die Gewinne der RWE & Konsorten in beachtlicher Weise aufgebessert werden, ist natürlich nur ein blöder Zufall, war aber unter den objektiven Umständen einfach nicht zu vermeiden... :whistling:
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)
    • firestarter schrieb:



      KWK-Zulage
      ....ja, da kam auch für den Eigenbedarf durchaus was rum
      Aber nicht vergessen, auch bei PV und co gab'S das mal....und hat dort (mit deutlich höheren Summen) auch den Durchbruch zur Marktreife geschafft.
      Bei KWK war's nicht so üppig und so ist leider immer noch kein echter Durchbruch in Stückzahlen mit erhoffter Kostendegression erfolgt.


      Es gab in der Vergangenheit eine Sprung in der Vergütung bei 50 kW (sofern man nicht Kurzläufer < 3000 h/a, sondern Langläufer mit 5000 h/a und mehr installiert hat) und auch mit dem Vorschlag, die 50 kW Klasse auf 45 kh umzustellen bleibt dieser Vergütungssprung. Der ist sogar noch viel schlimmer, weil eine Anlage > 50 kW nichts für den eigenverbraucten KWK-Strom erhält, die Anlagen bis 50 kW diesen noch bekommen. Wer wird dann freiwillig eine technisch sinnvolle Anlagengröße (Wärme + Stromsenke) von z.B. 80 kW einbauen? Es werden dann eher unterdimensionierte BHKWs installiert, weil man sich aufgrund der Bestimmungen im KWKG ins Bein schiesst. Ich halte daher solch einen Vergütungssprung für nicht sinnvoll. Er sollte abgebaut werden und man sollte neutral auf die absoluten Zahlen schauen:

      8 ct/kWh x 45.000 h = 3600 €/kW, 8 ct/kWh x 30.000 h = 2400 €/kWh. Das ist für ein 50 kW-BHKW recht auskömmlich, wenn ich für das Modul nur rund 1600 €/kW (80T€) zahlen muss.

      Ja, die 5 kW Klasse und auch die Nanos, die brauchen mehr, aber das muss man dann selektiv an der Stelle draufgeben, wo es fehlt, z.B. durch eine Förderklasse 2 kW oder einen Einmalzuschuss.

      Gruß,
      Gunnar
      Bilder
      • KWKG_2015-400k-edit.png

        19,19 kB, 848×460, 58 mal angesehen
      Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)
    • Keine Verknüpfung mit dem EEG ? Unverständlich.

      Man arbeitet parallel auf 3 verschiedenen Baustellen. Dem KWK, dem EEG und den Kaltreservekraftwerken - defakto jeder für sich und ohne die Nutzung von Synergien.


      Das ist leider wahr. Nötig wäre eine Strategie mit klaren, aufeinander abgestimmten Ausbauzielen für KWK und die verschiedenen EE's, und eine Förderung, die ausreicht um diese Ziele zu erreichen.

      Die sogenannten Kaltreservekraftwerke - soweit es sich dabei um Braunkohle handelt - haben allerdings mit der Energiewende, oder der angemahnten Strategie dafür, überhaupt nichts zu tun. Braunkohle ist als Reserve für Dunkelflauten unter allen nicht-nuklearen Kraftwerkstypen am wenigsten geeignet: Bis diese uralten Kisten angeheizt sind, ist die Dunkelflaute in aller Regel wieder vorbei. Da geht es lediglich darum, einige Tausend ansonsten überflüssige Arbeitsplätze - hauptsächlich in NRW - auf Kosten der Stromverbraucher zu erhalten. Dass bei der Gelegenheit auch die Gewinne der RWE & Konsorten in beachtlicher Weise aufgebessert werden, ist natürlich nur ein blöder Zufall, war aber unter den objektiven Umständen einfach nicht zu vermeiden... :whistling:


      In einer sinnigen Strategie hätte man PSKWs, Akkus und einpaar schnellregende Kraftwerke die die _Änderungen_ in Erzeugung und Verbrauch abfahren. Man hätte BHKWs die entweder nach vorgebenen Zeiten (Morgens und Abends) einspeisen oder frei nach Vorgabe des EVUs/Stromhändlers - und dafür ordentlich entlohnt würden. Trotzdem bräuchte man Kraftwerke die man aus dem Kaltzustand hochfährt um die Löcher bei *längeren* Defiziten ausgleichen. Heute 10% zuwenig, morgen 15% und übermorgen 12%... Alles wo es keinen Sinn mehr macht den Warmwasserspeicher des BHKWs zum Kochen zu bringen.
      BKKW wären dabei immernoch nicht die erste Wahl - da man dort defakto den ganzen Tagebau in Betrieb halten muss. Es bieten sich nur Anlagen an die nebenbei mitversorgt werden können.

      Und nein - es geht nicht um die Gewinne. Es geht schlicht darum das man die konventionellen Kraftwerke mit dem EEG wirtschaftlich an die Wand gedrückt hat. Und man plötzlich vor den Situation steht das man diese Kraftwerke ja doch braucht. Die Alternative ist eine massive Stillegung der konventionellen Kapazitäten und der anschliessende zusätzliche Aufbau der Reserven. Und damit sind nicht nur die 2,7 GW gemeint.

      Mein Standartvorschlag ist immer die EEs zu verpflichten ihren Mittleren Anteil jederzeit abzusichern. 30% zum Beispiel - also ca 21 GW. Im Gegenzug kann man dann die konventionellen kraftwerke wirklich stillegen. 49 GW dort blieben übrig - statt wie heute 70 GW vorzu halten.
      Man muss doch sowieso das System umstellen, da man den Anteil der EEs erhöhen will.

      Also würde ich diese 21 GW dynamische/halbbynamisch Ausschreiben. 10 GW sind schon eh durch Wasserkraft und Biogas gedeckt, Wind und PV bringen zu 50% der Zeit diesen Beitrag sowieso. Ansonsten gibt es zwischen 10 GW und 21 GW eine zeitweilige Lücke. Mal die vollen Rest 10 GW mal nur 0,5 GW. Grob überschlagen also zu 4360h + 5 GW = 21,8 TWh. Abzudecken mit einer Leistung von 10 GW. Kraftwerke also mit 2180 Vlh. Zusätzlich oder schon bisherige.

      Man bezahlt die KWK doch eh schon - also warum nicht einbeziehen.

      Unverständlich.

      Defakto würde eine Verringerung der konventionellen Kraftwerke am Markt den Börsenpreis entlasten - Damit finanziert sich das ganze schon Quasi vor selbst (zumindest aussicht des EEGs). Und man bringt 20 GW konventionelle Kraftwerke raus.
    • darwin-c schrieb:

      Und nein - es geht nicht um die Gewinne. Es geht schlicht darum das man die konventionellen Kraftwerke mit dem EEG wirtschaftlich an die Wand gedrückt hat. Und man plötzlich vor den Situation steht das man diese Kraftwerke ja doch braucht. Die Alternative ist eine massive Stillegung der konventionellen Kapazitäten und der anschliessende zusätzliche Aufbau der Reserven. Und damit sind nicht nur die 2,7 GW gemeint.
      Ja und nein. Dass wir auf absehbare Zeit mehr konventionelle Kraftwerks-Kapazität als Reserve für Zeiten ohne EE-Leistung brauchen, und auch dafür zahlen müssen, steht außer Frage. Und natürlich ist es günstiger und auch ressourcenschonender, nach Möglichkeit existierende Kraftwerke dafür zu nutzen, anstatt diese abzureißen und dafür neue zu bauen. Nur leider sind BKKW's (insbesondere die alten, um die es geht) nun mal für diese Aufgabe ungeeignet.

      Wir Verbraucher zahlen jetzt also zunächst mal der RWE und den Mitgliedern der IGBCh einen Haufen Geld dafür, dass an sich stillzulegende Uralt-BKKW's noch für viele Jahre in (Kalt-)Betrieb bleiben, obwohl jetzt schon klar ist, dass sie mangels Eignung auch im Notfall kaum jemals laufen werden. Weil wir aber die "Kaltreserve" wirklich brauchen, müssen wir dann noch einmal genauso viel Geld in die Hand nehmen, um weitere Kraftwerksreserven zu finanzieren (vermutlich Gas & Steinkohle), die im Bedarfsfall auch einsetzbar sind. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle, z.B. um die KWK so auszubauen, dass wenigstens ein Teil der Kaltreserve durch große und kleine Heizkraftwerke (die ja z.B. während Dunkelflauten immer laufen) ersetzt werden kann.
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)
    • Woran machst du fest das die BKKW nicht geeignet sind ?

      Kaltreserve bedeutet das man sie aus dem Kaltzustand hoch fährt - man die Zeit kennt die es braucht und auch den Wetterbericht, wie lange die Reserve gebraucht wird.

      Kaltreserve bedeute auch das es die letzten Kraftwerke sind, die hochgefahren werden.
    • darwin-c schrieb:

      Woran machst du fest das die BKKW nicht geeignet sind ?

      Kaltreserve bedeutet das man sie aus dem Kaltzustand hoch fährt - man die Zeit kennt die es braucht und auch den Wetterbericht, wie lange die Reserve gebraucht wird.
      Genau. BKKW (vor allem die älteren) brauchen 15 Stunden zum Hochfahren und sind dann nur zwischen 50-60% und 100% Leistung regelbar. Damit sind sie ungeeignet für alle kurzfristigen Bedarfsfälle - und mit "kurzfristig" meine ich alles, was weniger als einen Tag Vorwarnzeit hat oder weniger als 1-2 Tage mit einigermaßen verlässlicher Vorhersage andauert.

      Steinkohlekraftwerke brauchen dagegen max. 8 Stunden zum Hochfahren und können ggf. auf 20% Leistung heruntergefahren werden: Wenn man also nicht sicher ist was passieren wird (z.B. ob der Wind weht oder ausreichende Importmengen zur Verfügung stehen werden), ist es schneller möglich und weniger problematisch, ein solches Kraftwerk auch mal auf Verdacht aus der Reserve zu holen. Gas- und Ölkraftwerke sind z.T. wieder schlechter regelbar (v.a. GuD), aber dafür in Minutenschnelle verfügbar. Alle diese Kraftwerke können aber auch, wenn es erforderlich ist, beliebig lang mit Nennleistung arbeiten. Will heißen: SKKW und G/ÖKW können alles, was BKKW auch können, aber sie haben erhebliche Vorteile bei Hochfahrzeit und Regelbarkeit. (Dass der Brennstoff mehr kostet, spielt in dem Fall keine Rolle, denn sie sollen ja nur in "Notzeiten" arbeiten.)

      Wenn also die Aufgabe ist, aus vorhandenen (aber für den laufenden Betrieb nicht mehr benötigten) Kraftwerken eine Kaltreserve zu bilden, so müsste man dafür vorrangig alle für diesen Zweck verfügbaren Gas-, Öl- und Steinkohlekraftwerke heranziehen. Erst wenn das nicht reicht, könnte es sinnvoll sein, auch das eine oder andere vorhandene BKKW dazu zu nehmen. Stattdessen hat aber jetzt anscheinend die Politik entschieden, ohne Rücksicht auf den Bedarf alle zur Stillegung anstehenden BKKW - natürlich gegen ein fettes, von den Verbrauchern über die Netzgebühren zu entrichtendes Entgelt - in die "Kaltreserve" einzubeziehen. (So stand es jedenfalls in der Presse: Ich würde mich freuen, wenn ich das falsch verstanden hätte.)
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)
    • Braunkohle-KW als Reserve

      sailor773 schrieb:

      Genau. BKKW (vor allem die älteren) brauchen 15 Stunden zum Hochfahren und sind dann nur zwischen 50-60% und 100% Leistung regelbar. Damit sind sie ungeeignet für alle kurzfristigen Bedarfsfälle - und mit "kurzfristig" meine ich alles, was weniger als einen Tag Vorwarnzeit hat oder weniger als 1-2 Tage mit einigermaßen verlässlicher Vorhersage andauert.

      Steinkohlekraftwerke brauchen dagegen max. 8 Stunden zum Hochfahren und können ggf. auf 20% Leistung heruntergefahren werden:


      Woher hast Du diese Zahlen? 20% Mindestleistung bei Steinkohle? Ich bin immer davon ausgegangen dass die Mindestleistung (Flammenstabilität im Kessel) um 50% beträgt, manchmal bei modernen Brennerkonzepten auch 40%.

      Des Weiteren muss man unterscheiden zwischen
      - Heißstart (das Kraftwerk war einige wenige Stunden - z.B. über Nacht - nicht in Betrieb und der Kessel ist kaum ausgekühlt)
      - Warmstart (Pause z.B. über das Wochenende)
      - Kaltstart (längere Zeit kein Betrieb, Auskühlung auf Umgebungstemperatur)

      Die jetzigen Kraftwerke in der Netzreserve (Steinkohle-Kraftwerke) brauchen in manchen Fällen bis zu 2 Tage fürs Anfahren. Braunkohlekessel sind größer als Steinkohlekesse, weil sie mehr Masse durchsetzen (Rohbraunkohle ist nass und hat daher nur die Hälfte des Heizwerts). BK-Kessel brauchen daher länger, bis sie ohne Thermospannungen auf Temperatur gebraucht worden sind.

      Gruß,
      Gunnar
      Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)
    • gunnar.kaestle schrieb:

      Woher hast Du diese Zahlen? 20% Mindestleistung bei Steinkohle? Ich bin immer davon ausgegangen dass die Mindestleistung (Flammenstabilität im Kessel) um 50% beträgt, manchmal bei modernen Brennerkonzepten auch 40%.
      Die Zahlen zur Regelbarkeit sind von hier: et-energie-online.de/Zukunftsf…inspeiseschwankungen.aspx (Tabelle im unteren Teil). Die Anfahrzeiten stammen aus Wikipedia. Aber von den individuellen Kraftwerken abgesehen: Dass SKKW insgesamt im Betrieb viel flexibler sind, sieht man auch aus Grafiken wie im Anhang (Quelle: energy-charts.de/power_de.htm ). Offenbar ist es möglich, die gesamte Steinkohleleistung in Deutschland je nach Bedarf innerhalb weniger Stunden zwischen 15% und 100% zu variieren. Das würde auch für SKKW aus der Kaltreserve gelten, wenn sie denn einmal laufen. Die BKKW fahren dagegen selbst bei tief negativen Strompreisen mit minimal 50-60% der Leistung durch. Dort gilt jedenfalls das, was Du schreibst.

      gunnar.kaestle schrieb:

      - Kaltstart (längere Zeit kein Betrieb, Auskühlung auf Umgebungstemperatur)
      Das meine ich (Kaltreserve).

      gunnar.kaestle schrieb:

      Die jetzigen Kraftwerke in der Netzreserve (Steinkohle-Kraftwerke) brauchen in manchen Fällen bis zu 2 Tage fürs Anfahren. Braunkohlekessel sind größer als Steinkohlekessel, weil sie mehr Masse durchsetzen (Rohbraunkohle ist nass und hat daher nur die Hälfte des Heizwerts). BK-Kessel brauchen daher länger, bis sie ohne Thermospannungen auf Temperatur gebraucht worden sind.
      Sach' ich ja, bloß dass es anscheinend "in manchen Fällen" noch schlimmer ist als ich dachte. Bei strengem Frost (Dunkelflaute im Februar, wo man die Kaltreserve vielleicht wirklich mal braucht, weil in Frankreich alle Elektroheizungen auf Volllast laufen) kriegen viele BKKW's wahrscheinlich überhaupt keinen Kaltstart mehr hin, weil das feuchte Braunkohlezeug auf der Halde oder auf den Förderbändern zusammengefroren ist. Deswegen eignen sich BKKW m.E. nicht für die Kaltreserve - bzw. jedenfalls erheblich schlechter als alle anderen fossilen Kraftwerkstypen.
      Bilder
      • Bildschirmfoto 2015-08-18 um 12.13.49.png

        361,43 kB, 2.666×1.128, 63 mal angesehen
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)
    • Das meine ich (Kaltreserve).


      Zuerst zur Begrifflichkeit: Die sogenannte Kaltreserve ist nicht ein Reservekraftwerk, das ausgekühlt ist, aber jederzeit (mit etwas längerer Anfahrzeit) starten kann. Es ist vielmehr ein Kraftwerk, das abgerüstet wurde, so dass die Unterhaltskosten minimiert werden. Wenn man also ein Kraftwerk an sich stilllegen will, weil man damit kein Geld mehr verdient, es aber in der Hoffnung auf bessere Zeiten noch in der Hinterhand haben will, dann wird es in die Kaltreserve überführt, es wird eingemottet. Dazu gehört auch dass z.B. die Betriebsflüssigkeiten (Hydraulik etc.) entfernt werden und andere Maßnahmen wie Korrosionsschutz, die es erlauben, dass man das Kraftwerk unbeaufsichtigt, d.h. z.B. ohne tägliche Kontrollgänge (-> Personalkosten minimieren) im eingemotteten bzw. konservierten Zustand für später bewahren kann.

      Wenn man ein Kraftwerk aus der Kaltreserve erwecken will, dann ist das ein aufwendiger Vorgang, der Geld und Zeit kostet (ein paar Wochen?). Das ist ein wenig so, wie wenn man einen Oldtime eingemottet hat und bei Opa hinten in der Scheune die letzten 5 Jahre abgestellt hat. Dann muss man auch erst mal Öl (Motor, Getriebe, Hysraulik) nachfüllen, die Elektrik überprüfen und schauen ob die ganzen Gummimanschetten noch gut sind. Kaltreserve ist also nicht zu verwechseln mit einem Reservekraftwerk, was ausgekühlt ist, weil es vor X Monaten das letzte mal gelaufen ist. Die Betriebsbereitschaft ist aber dauerhaft gegeben - bei der Kaltreserve nicht.

      Zur Tabelle von RWE: Ich finde etwas komisch, dass ein GuD-Kraftwerk in einer 2GT-1DT-Kombi nur auf 60% runterkommen soll, wenn Kohlekraftwerke (Feststoffbrenner) bis 25% runter kommt. Bekannterweise wird bei Anfahren eines Kohlekessels mit Gas oder (Schwer)Öl geholfen. Das sind Brenner, die man auch mit geringer Last betreiben kann. Die 40% sind bei (modernen) Kohlekraftwerken die Mindestlast - ich vermute, dass man bei geringeren Lasten die Flamme mit teurem Öl oder Gas stabilisiert. Bei einem GuD-Kraftwerk kommt rund 2/3 der Leistung aus der Gasturbine und 1/3 der Leistung aus der Dampfturbine., also z.B. 35% von GT1, 35% von GT2 und 30% von DT. Das HKW in Wien Simmering ist z.B. so aufgebaut. Da kann man relativ flexibel nur eine GT betreiben oder zwei, die DT nutzen oder den Dampf vom Abhitzekessel in die Heizkondensatoren leiten. Eine Gasturbine kann man auch in Teillast betreiben, so das GuDs mit 2-1-Kombination sehr weit runter kommen, bezogen auf die Leistungssumme aller drei Turbomaschinen.

      Die ISE-Graphiken zeigen den ganzen Kraftwerkspark an. Wenn man also von einer installierten Leistung von 27 GW bei Steinkohle ausgeht und es werden nur 2,7 GW Leistung eingespeist, dann bedeutet das nicht, dass alle Kraftwerke runter auf 10% ihrer Maximalleistung runtermodulieren, sondern das viele ausgeschaltet sind. Teillastbetrieb ist bei Steinkohle ein unschöner Zustand, weil am Nennpunkt die Effizienz optimiert ist. Man macht das nur, um teure An- und Abfahrprozesse zu vermeiden. Streinkohle wird normalerweise zur Deckung der Mittellast eingedeckt, d.h. die sind schon darauf ausgelegt, einen täglichen Lastwechsel zu fahren: Morgens an und abends aus. Wenn aber mittags der Strompreis bei viel Sonne unter die eigenen variablen Kosten geht, dann wird für ein paar Stunden der Verlust minimiert, indem man auf Mindestlast runterfährt, und das Hochfahren geht dann wenn die Preise wieder stimmen viel schneller und billiger, als aus dem Stillstand.

      Gruß,
      Gunnar
      Ist die Wärme kraftgekoppelt, wird die Energie gedoppelt. (Ulli Brosziewski)
    • gunnar.kaestle schrieb:

      Zuerst zur Begrifflichkeit: Die sogenannte Kaltreserve ist nicht ein Reservekraftwerk, das ausgekühlt ist, aber jederzeit (mit etwas längerer Anfahrzeit) starten kann. Es ist vielmehr ein Kraftwerk, das abgerüstet wurde, so dass die Unterhaltskosten minimiert werden.
      Gunnar, ich werde mich hüten einem Fachmann wie Dir zu widersprechen. Möglicherweise wirft ja die Politik hier die Begriffe durcheinander. Aber auch z.B. im Energie-Glossar des DKE (Deutsches Kompetenzzentrum Energie, Quelle: teamwork.dke.de/specials/7/Wik…Kaltreserve-Leistung.aspx ) erscheint folgende Definition:
      Kaltreserve-Leistung: Summe der verfügbaren elektrischen Leistungen der Generatorsätze der Elektrizitätserzeuger in einem Elektrizitätsversorgungssystem, die in Reserve stehen und deren Anfahrvorgang mehrere Stunden beansprucht
      Verwiesen wird hier auf IEV 602-03-17, vielleicht sagt Dir das was (mir nicht).

      Wie auch immer: Eingemottete Kraftwerke in Deinem Sinne (deren Wiederinbetriebnahme Wochen dauert) wären als Reserve für die Energiewende völlig unbrauchbar, egal ob sie vorher Braunkohle, Steinkohle oder Gas verheizt haben. Dort werden auch keine Arbeiter mehr beschäftigt, sondern höchstens ein Wachmann mit Hund. Das was ich meine (und was m.E. auch die Politik meint) sind Kraftwerke, die kalt im Standby stehen (zumindest mit einer Rumpfmannschaft) und mit der entsprechenden Vorlaufzeit (also wie oben definiert im Stundenbereich) in Betrieb gehen können. Kann sein, dass man das nicht "Kaltreserve" nennen soll oder darf, sondern "Reservekraftwerke", aber um die geht es hier offenbar - und dafür ist Braunkohle nun mal am schlechtesten geeignet.
      Viessmann Vitotwin 300-W (1 kWel, 6 kWth) seit 2012

      PV-Anlage 8,45 kWp (65 x Solarworld SW 130poly Ost/Süd/West, SMA 5000 TL und 3000) seit 2010

      Solarthermie 14 qm Flachkollektoren seit 2004 (Vorgänger 8 qm 1979-2003)
    • *Genau. BKKW (vor allem die älteren) brauchen 15 Stunden zum Hochfahren und sind dann nur zwischen 50-60% und 100% Leistung regelbar. Damit sind sie ungeeignet für alle kurzfristigen Bedarfsfälle - und mit "kurzfristig" meine ich alles, was weniger als einen Tag Vorwarnzeit hat oder weniger als 1-2 Tage mit einigermaßen verlässlicher Vorhersage andauert.*

      Hat mit etwas was man Kaltreserve nennen könnte -im Sinne eines EE-Systems aber wenig zutun.

      Ein normales EE-System braucht zwingend Kraftwerkskapazitäten die Energie aus der Nacht und Mittags in den Abend und Morgen bringt. Da heisst - selbst wenn die Tageserzeugung dem Bedarf entspricht muss man schieben. Das ist eine Aufgabenstellung die man mit PSKWs, Akkus oder auch Biogas (selbst bei den heutigen Mini-Gasspeicherkapazitäten erreichen kann.
      Ein BHKW/KWK kann Wärme vermutlich im Bereich von wenigen Tagen soweit schieben das man Schwankungen ausgleichen kann.

      Minimum die nächsten 15-20 Jahre wird es auch noch Konventionelle Großkraftwerke geben, die auch regelbar sind (vollig irrelevant weil die EEs zwingend auf eigene Regelkapazitäten angewiesen sind)
      In dem Zusammenhang - Stelle dir 20 x 500 MW Kohlekraftwerksblöcke vor, welche innerhalb eines Tages an und abfahren. Preisfrage wie hoch ist die Regelweite ? Richtig 500 MW/10 GW bzw. 5% . Wenn man jetzt das Kraftwerk noch von 50% bis 100% nutzen kann. Ergibt sich eine Regelbarkeit in 2,5% Schritten. Selbst wenn nur einer dieser Blöcke die 50% Regelung hinbekommt.

      Alles das läuft VOR der Kaltreserve. Dann wenn es über längere Zeit massive Defizite gibt, braucht man die Kaltreserve.

      Wenn man also BKKW für die nächsten 20 Jahre noch braucht - Dann kann man Block A und B in der Kaltreserve *parken*, während Block C normal läuft und der angeschlossene Tagebau Braunkohle fördert und aufarbeitet. Sinniger weise wird man Block A und B zeitweise laufen lassen um Stillstandsschäden zu vermeiden.